Die Zahl von arbeitslosen Menschen mit Behinderung erreicht einen neuen Tiefststand.

Das Handelsblatt Research Institute hat im Auftrag der Aktion Mensch ein weiteres Inklusionsbarometer erstellt. Eines der wesentlichen Ergebnisse: Der positive Trend bei der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt hält an. Trotzdem gibt es dringenden Handlungsbedarf.

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Der Fachkräftemangel und der demographische Wandel gehören zu den größten Herausforderungen für Unternehmen in Deutschland. Für Menschen mit Behinderung ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt leider noch nicht selbstverständlich, doch als qualifizierte Kräfte gewinnen sie zunehmend an Bedeutung für die Wirtschaft. Tatsächlich hat die Zahl von arbeitslosen Menschen mit Behinderungen im mit 156.621 ein Rekordtief erreicht (Vorjahresbarometer: 162.373). Auch die Arbeitslosenquote der Schwerbehinderten hat sich durchaus positiv entwickelt: Sie ist ein weiteres Mal von 11,7 Prozent auf nun 11,2 Prozent gesunken. Das täuscht aber nicht über einige hartnäckige Missstände hinweg.

Das Inklusionsbarometer offenbart anhaltend gravierende Probleme. Menschen mit Behinderung profitieren nicht im gleichen Maße von der guten wirtschaftlichen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Fakt ist: Die allgemeine Arbeitslosenquote 2018 ging im Vergleich zum Vorjahr von 5,7 Prozent auf 5,2 Prozent zurück. Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung ist mit 11,2 Prozent deutlich höher. Die Situation der Langzeitarbeitslosen mit Behinderung ist weiterhin angespannt. Sie haben es besonders schwer, einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden. Zwar sind auch hier kleine Fortschritte zu erkennen aber im Vergleich zu ihren Mitstreitern ohne Behinderung sind Schwerbehinderte Arbeitslose deutlich länger arbeitssuchend. Sie benötigen durchschnittlich 359 Tage (Vorjahresbarometer: 366), bis sie eine Anstellung gefunden haben – 100 Tage länger als Nicht-Behinderte. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist mit 43,4 Prozent (Vorjahresbarometer: 44,4) wesentlich höher als bei Menschen ohne Behinderung (34,8 Prozent). Schwerbehinderte geraten allzu oft in eine Spirale der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit:

Neben ihrer Schwerbehinderung und dem Lebensalter sinkt durch die lange Arbeitslosigkeit die Chance, eine Anstellung zu finden. Auch die die Beschäftigungsquote Schwerbehinderter ist zum wiederholten Male rückläufig. Sie sinkt auf 4,63 Prozent (Vorjahresbarometer: 4,67 Prozent). Damit wird die gesetzlich vorgeschriebene Fünf-Prozent-Quote erneut verfehlt. Öffentliche Arbeitgeber übererfüllen die Mindestquote mit 6,5 Prozent zwar – bei privaten Unternehmen machen Schwerbehinderte aber nur 4,1 Prozent der Mitarbeiter aus. Ebenfalls gesunken: Der Anteil der Arbeitgeber, die mindestens einen Pflichtarbeitsplatz besetzten, fällt auf 74,4 Prozent (Vorjahresbarometer: 74,5 Prozent, Fünf-Jahres-Wert 72,4 Prozent). Alle Pflichtarbeitsplätze werden bei 39,6 Prozent der Arbeitgeber besetzt (Vorjahresbarometer: 39,7 Prozent, Fünf-Jahres-Wert. 37,6 Prozent). Es zeigt sich jedoch auch hier ein fortlaufender Trend: Seit drei Jahren steigt die Zahl der Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen kontinuierlich. Etwa 165.000 Unternehmen fallen unter die Beschäftigungspflicht – rund 4000 mehr als im Vorjahr. Über 2300 davon haben zwischen 20 und 60 Mitarbeiter. Die Entwicklung im Inklusionsbarometer 2013-2017 zeigte bereits, dass gerade diese Firmen weniger über die staatlichen Fördermöglichkeiten wissen und sie auch deutlich seltener nutzen als große und mittelständische Betriebe. Kleine Unternehmen sind also auf Beratung und Unterstützung angewiesen, damit sie Menschen mit Behinderung beschäftigen können.

Quelle: Aktion Mensch e.V.

Studie Inklusionsbarometer 2019 (pdf)

Infografik zum Inklusionsbarometer