Inklusionsbetriebe: Nordrhein-Westfalen ist bundesweit Spitze

Münster (lwl). Nordrhein-Westfalen ist bundesweit bei der Anzahl der Inklusionsbetrieben, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten, und bei der Anzahl der Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in diesen Unternehmen auf dem ersten Platz. In NRW arbeiteten Ende 2017 über 3.500 Menschen mit Behinderung in 297 Inklusionsbetrieben. Mit einigem Abstand folgen als nächste Bundesländer Baden-Württemberg (1.570/84) und Bayern (1.516/89). Diese Zahlen nannte Matthias Münning, Sozialdezernent beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Donnerstag (13.6.) in Münster.

 

"In Westfalen-Lippe arbeiten 2.059 Menschen mit Behinderung in 163 Inklusionsbetrieben. Diese hohen Zahlen sind sehr erfreulich, denn damit ist mehr Normalität für viele Menschen verbunden", so Münning. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass mit der steigenden Zahl geförderter Arbeitsplätze auch die Kosten für die dauerhaft laufende Förderung der Inklusionsbetriebe steigen, die der LWL aus der Ausgleichsabgabe bestreitet. Diese Ausgleichsabgabe müssen Unternehmen zahlen, die keine oder zu wenige Menschen mit Behinderung beschäftigen. "Da die Mittel aus dieser Ausgleichsabgabe begrenzt sind, brauchen wir für die laufenden Leistungen eine langfristige Lösung", so Münning weiter.

Ende 2017 lebten in Westfalen-Lippe 862.000 schwerbehinderte Menschen. 96.000 Menschen mit Schwerbehinderung sind auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bei öffentlichen oder privaten Arbeitgebern mit mehr als 20 Beschäftigten tätig. Knapp 22.000 schwerbehinderte Menschen sind zur Zeit arbeitslos. Rund 43.000 Menschen arbeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. "Auch bei den Übergängen aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt liegt Westfalen-Lippe in der Spitzengruppe in Deutschland. Wir haben jährlich etwa 100 Werkstattwechsler zu verzeichnen", sagte Münning.

Hintergrund: Inklusionsbetriebe
Die Inklusionsbetriebe, die zum großen Teil Mitarbeiter mit Handicaps beschäftigen, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie müssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten. Der LWL unterstützt diese Firmen mit Mitteln aus der Ausgleichsausgabe, die Unternehmen leisten müssen, die nicht mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeitern besetzen. Die Inklusionsbetriebe bekommen Zuschüsse zu Investitionen, betrieblichem Mehraufwand, Betreuung und Lohnkosten. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur für Arbeit, das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch. Hinzu kommen Mittel des Bundes. Die Arbeitsplätze sind im Schnitt deutlich kostengü?nstiger als die Plätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung.