Landesprogramm „Integration unternehmen!“ - Veranstaltung 10 Jahre

10 Jahre Landesprogramm „Integration unternehmen!“ in Nordrhein-Westfalen - Gemeinsam sind wir stark. Zu dieser Veranstaltung lud die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung - ihr obliegt die fachliche Begleitung des Programms - am 12.11.2018 nach Düsseldorf ins Hotel Nikko ein.

Inklusionsbetriebe in vielen Branchen

Welche guten Arbeitsplätze mittlerweile in Inklusionsbetrieben entstanden sind, davon konnte sich der Minister bei einem Rundgang überzeugen. Hier kam er an den Ständen von Inklusionsbetrieben aus allen Landesteilen mit deren Gründerinnen und Gründern sowie den dort Beschäftigten schwerbehinderten Menschen ins Gespräch, darunter die VIA Integration gGmbH, Aachen, mit den Arbeitsbereichen Bio-Gärtnerei, Gastronomie/Veranstaltungen, Bio-Verkauf und Alemannia-Fanshops; die Kiebitzhof GmbH, Gütersloh, mit verschiedenen Geschäftsbereichen wie Lebensmittel, Hausmeisterservice und Garten- und Landschaftsbau; die Eislounge Maria Veen, Reken, mit einer mobilen Eistheke für Großveranstaltungen; Moderne Floristik Steinbrecher, Waltrop, als Vorbildunternehmerin durch das Bundesministerium für Wirtschaft ausgezeichnet; sowie die hauswirtschaftlichen Bereiche an fünf Standorten des Pflegeunternehmens Carpe Diem mit Sitz in Wermelskirchen,  die Firma Garten- und Landschaftsbau Karl Mensing in Heek sowie das Kolpingwerk Paderborn als Betreiber von Hotels in Witten, Soest und Paderborn.

Ein weiteres vorgestelltes Unternehmen war die JOSEFS-Brauerei (heute: duplio gGmbH) im sauerländischen Olsberg. Hier sind acht sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstanden. Die Arbeit in der Getränkeproduktion ist anspruchsvoll und abwechslungsreich: sei es am Biersieder, im Gär- und Lagerkeller oder in der Fass-Füllerei. Nach einer Qualifizierungsphase bietet die JOSEFS-Brauerei auch ihren schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Chance, unter realen Marktbedingungen zu arbeiten.

Die Klaus Fischer Dreh-und Presstechnik GmbH wiederum produziert innerhalb einer Inklusionsabteilung spezielle, offene Fahrradschläuche mit zwei Enden. Das macht nach Angaben der Firma den Schlauchwechsel „kinderleicht“. Die Entlohnung der schwerbehinderten Beschäftigten erfolgt branchenüblich deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn. „Auf unsere schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, bekam der Minister zu hören, „können wir uns jederzeit verlassen. Sie haben übrigens die geringsten Fehlzeiten im Vergleich mit allen Beschäftigten in unserem Unternehmen.“

Dass ein vermeintliches Handicap zum Vorteil für viele führen kann, davon zeugte in Düsseldorf die discovering hands Service GmbH, ein Inklusionsbetrieb aus Mülheim. „discovering hands“ nutzt den überlegenen Tastsinn blinder oder sehbehinderter Frauen für die Brustkrebsfrüherkennung und bietet ihnen die Chance, sich zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen ausbilden zu lassen. Bei ihrem späteren Einsatz in gynäkologischen Praxen und Kliniken entdecken sie bei Tastuntersuchungen der Brust deutlich mehr kleinere Gewebeveränderungen als Ärztinnen und Ärzte ohne Sehbehinderung und helfen so, Leben zu retten.

Kultur des Miteinanders

Die Vielfalt der Tätigkeitsfelder und Branchen, in denen Inklusionsbetriebe erfolgreich agieren, hob Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten, hervor. Für sie ist besonders wichtig, dass in Inklusionsbetrieben Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten: „Hier wird eine Kultur des Miteinanders, der gegenseitigen Wertschätzung gelebt, hier gilt das Motto: Gemeinsam sind wir stark!“ Inklusionsbetriebe tragen nach ihrer Meinung dazu bei, die von der UN-Behindertenrechtskonvention benannten Ziele zu erreichen: Eine unabhängige Lebensführung, die volle Teilnahme an allen Aspekten des Lebens und den gleichberechtigten Zugang zu allen Lebensbereichen.

Die Zahl schwerbehinderter Menschen im erwerbsfähigen Alter wird auch in den nächsten Jahren weiter steigen, stellte  Prof. Dr. Angela Faber, Dezernentin für Schulen und Integration beim Landschaftsverband Rheinland, fest. Für sie müsse ein passgenaues Angebot der Beschäftigungssicherung vorgehalten werden, wozu sie vor allem die Inklusionsbetriebe zählte: „Wir müssen als Gesellschaft die Fähigkeiten, die Stärken, die Expertise nutzen, über die viele schwer behinderte Menschen zweifellos verfügen. Das Beispiel von „discovering hands“ ist nur eins von vielen.“ Für die Expertin ist klar: „Inklusion ist eine Generationenaufgabe“, und sie versicherte: „Wir sind für schwerbehinderte Menschen und deren Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ein verlässlicher Partner – dies bleibt unser Anspruch!“

Matthias Münning, Sozialdezernent beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, betonte den über Jahre gewonnenen Erfahrungshorizont zu Inklusionsbetrieben. Ziel müsse sein, „sichere und dauerhafte Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen“ zu schaffen, deren Finanzierung langfristig abzusichern ist. Darin stimmte er mit Regina Schafmeister, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen Nordrhein-Westfalen, überein. Sie sah die Inklusionsbetriebe insgesamt auf einem guten Weg: „Sie haben gesellschaftlich, aber auch volkswirtschaftlich mittlerweile eine enorme Bedeutung erlangt.“

So soll es auch in Zukunft sein: Das Landesprogramm "Integration unternehmen!" besteht fort. Aus guten Gründen, wie die Veranstaltung bewies, denn Inklusionsbetriebe, fasste Minister Laumann zusammen, „sind Vorbilder im Umgang mit schwerbehinderten Menschen.“